PAPA KAPAZUNDA – DIE STIMME ZWISCHEN DEN WELTEN
Bevor PAPA KAPAZUNDA als Musiker, Entertainer und Schriftsteller die Bühnen und Bücherregale eroberte, war er ein Mann, der zwischen den Welten vermittelte – wortwörtlich. Als Dolmetscher saß er in unzähligen Verhandlungssälen, wo über das Schicksal von Migranten entschieden wurde. Er war nicht nur der Sprachmittler zwischen den Angeklagten und der Justiz, sondern oft auch der Einzige, der deren wahre Geschichte verstand. Eine Aufgabe, die nicht nur Fingerspitzengefühl und Präzision erforderte, sondern auch eine tiefe emotionale Belastbarkeit. Denn wer jahrelang in Gerichtssälen das Leben und Scheitern von Menschen mitanhört, wird irgendwann zum Archiv der Geschichten, die sonst niemand hören will.
Und genau dieses Archiv hat PAPA KAPAZUNDA mit seinem Roman „Schwarzer Schwindler – Die Reise nach Wien“ geöffnet. Was zwischen den Wänden des Wiener „Grauen Hauses“, des berüchtigten Landesgerichts, in nüchterne Protokolle gepresst wurde, hat er literarisch verdichtet und zu einer Erzählung gemacht, die über einen einzelnen Fall hinausgeht – ein Roman, der die ungehörten Stimmen hörbar macht.
EIN DOLMETSCHER IM SCHATTEN DER JUSTIZ
Als Dolmetscher bewegte sich PAPA KAPAZUNDA in einem System, das oft nicht auf das Verstehen, sondern auf das Aburteilen ausgerichtet ist. Er übersetzte für Angeklagte, die nicht einmal wussten, warum sie vor Gericht standen. Für Richter, die Urteile fällten, ohne die Realität hinter den Aktenzeichen zu kennen. Für Anwälte, die sich oft nur für die Höhe der Strafminderung interessierten. Und für Angeklagte, die zwischen falschen Hoffnungen und knallharter Realität zerrieben wurden.
Die meisten von ihnen kamen mit einer Geschichte nach Europa, die nie erzählt wurde. Nigerianer wie Bright Okeke, der Protagonist des Romans „Schwarzer Schwindler“. Junge Männer, die in den Straßen von Lagos aufwuchsen, in einem Land, das nur den Stärksten eine Chance gab. Ihre Träume waren groß – Europa, das verheißene Land, wo Wohlstand und Sicherheit warteten. Doch oft endete diese Reise dort, wo PAPA KAPAZUNDA sie erstmals traf: auf der Anklagebank, vor einem Richter, der ihre Sprache nicht verstand und ihr Schicksal nicht kannte.
Und PAPA KAPAZUNDA musste diese Geschichten in wenige Worte fassen. Jede Übersetzung war eine Gratwanderung zwischen Wahrheit und Rechtsdeutsch, zwischen Emotion und Neutralität, zwischen dem Wunsch zu helfen und der Pflicht zur Distanz.
VOM GESPROCHENEN ZUM GESCHRIEBENEN WORT
Mit der Zeit wuchs in ihm der Drang, diese Geschichten nicht einfach nur zu übersetzen, sondern festzuhalten. Wie viele Bright Okekes hatte er eigentlich schon erlebt? Wie viele Lebensträume waren vor seinen Augen eigentlich schon zerplatzt?
„Schwarzer Schwindler“ ist nicht nur ein Roman – es ist ein Echo dieser Stimmen. PAPA KAPAZUNDA hat über Jahre hinweg in den Gerichtssälen gesammelt, was sich zwischen Gesetzesbüchern und Paragraphen verlor: den Moment, in dem ein junger Mann merkt, dass Europa ihn nicht will; den Augenblick, in dem ein Urteil fällt, das ein Leben zerstört; das Schweigen nach dem letzten Wort der Verteidigung.
Doch er wollte mehr als nur dokumentieren. Sein Roman sollte nicht nur ein Zeugnis sein, sondern eine Einladung an die Leser: Hinsehen. Zuhören. Hinter die Akten blicken.
GERICHTSSÄLE ALS DRAMA-BÜHNE
In „Schwarzer Schwindler“ sind die Verhandlungssäle keine Orte bloßer Rechtsprechung, sondern Bühnen eines kafkaesken Dramas. Die Justiz als Schauspiel, in dem der Angeklagte oft nur eine Statistenrolle spielt.
Ein Geschworenenprozess in Wien ist eine Inszenierung, in der Sprache eine Waffe sein kann – und genau hier kamen PAPA KAPAZUNDAs Fähigkeiten als Dolmetscher ins Spiel.
Er wusste, dass Worte Leben verändern können. Dass eine ungeschickte Formulierung aus Unschuld Schuld machen konnte. Dass der Unterschied zwischen „ich wusste nicht“ und „ich erinnere mich nicht“ über viele Jahre Gefängnis oder Freispruch entscheiden konnte. Diese sprachliche Präzision, diese Sensibilität für Nuancen – all das findet sich in seinem Roman wieder.
EIN ROMAN, DER WIE EIN PROTOKOLL BEGINNT – UND MIT EINER OFFENBARUNG ENDET
Wie oft hatte er dieselben Geschichten gehört? Wie oft hatte er dieselben Fragen gestellt bekommen?
„Warum sind Sie nach Europa gekommen?“
„Was wussten Sie über den Inhalt der Plastikbehälter?“
„Waren Sie sich der Konsequenzen bewusst?“
In „Schwarzer Schwindler“ werden diese standardisierten Fragen plötzlich zu existenziellen Prüfsteinen. Bright Okeke, der Protagonist, durchlebt genau das, was PAPA KAPAZUNDA so oft dolmetschen musste: Die Anklage, die Verteidigung, die Hoffnung auf Gnade.
Doch während viele Prozesse nur trockene Urteile hinterlassen, lässt dieser Roman die Welt hinter den Paragrafen sichtbar werden. Er gibt denjenigen eine Stimme, die sonst nur eine Aktenzahl haben.
DIE VERWANDLUNG EINES SPRACHMITTLERS ZUM GESCHICHTENERZÄHLER
Mit seinem Roman hat PAPA KAPAZUNDA den Schritt vom Sprachrohr zum Erzähler gemacht. Er dolmetscht nicht mehr nur für Richter und Angeklagte – er dolmetscht nun für seine Leser. Er übersetzt das, was hinter den Kulissen der Justiz verborgen bleibt. Er bringt Licht in die grauen Aktenstapel und zeigt das Leben, das dahintersteckt.
Und vielleicht ist das die größte Lektion aus seinem Leben als Dolmetscher: Jede Geschichte verdient es, gehört zu werden. Jede Stimme zählt. Und manchmal braucht es einen Erzähler, der sie für die Welt hörbar macht.
Mit „Schwarzer Schwindler – Die Reise nach Wien“ hat PAPA KAPAZUNDA genau das getan. Er hat jeder Aktenseite eine Seele gegeben.